"Phänomen" bei Tieraufnahmen

  • Ich habe bei Aufnahmen von Vögeln mit dem Tamron 150-500 eine Merkwürdigkeit beobachtet. Reflektionen in den Augen der Tiere erscheinen häufig als zwei ausgeprägte Punkte. Ich würde da nur einen Punkt als Reflektion erwarten. Teilweise habe ich auch über die ganze Aufnahme hinweg den Eindruck, dass das Bild wie eine Doppelbelichtung aussieht. Ich habe da nicht so recht eine Erklärung. Wenn ich verwackeln würde, würde ich eher einen Strich als zwei ausgeprägte Punkte erwarten.

    Unten eine mit Topas Photo AI (über-)nachgeschärfte Ausschnittvergrößerung eines Stieglitz, der die das Augenphänomen zeigt.

    Habt Ihr eine Idee oder so etwas auch schon mal beobachtet ? Achso, technische Daten 1/2000 Sek F8,0 ISO 2000, Tamron 150-500 an der Fuji X-T5

    20230306-DSCF5520-Bearbeitet.jpg

    Hier nochmal die Augen extrem ausgeschnitten:

    20230306-DSCF5520-Bearbeitet-2.jpg

  • Also ganz ehrlich, hättest du das mit der Reflektion nicht erwähnt, hätte ich sofort auf eine Verwacklung getippt, da alles eigentlich gleichmäßig unscharf ist. Ich bin da technisch leider überfragt aber für mich sieht das tatsächlich auch aus wie eine doppelte Belichtung eine Art HDR, sowas kann man mit einer GoPro ganz bewusst machen, nennt sich dort Timewarp allerdings als Video.

    So aus dem nichts wissenden stehgreif heraus, würde ich bei der Belichtungszeit und der Annahme das du nicht verwackelt hast, von einem Fokusproblem ausgehen, quasi springt der Fokus während der Auslösezeit oder es ist ein spezieller Programmodus. Hat ein bisschen was von Ghosting oder Rollingshutter im Foto. Für mich ganz schwer zu bewerten, habe ich so selbst noch nie gehabt oder gesehen. Fokusstacking und dann war die Zeit zu kurz für das zweite Bild?

    Keine Sorge sind nur meine Gedanken und nicht einmal als Theorie zu bewerten.

  • Bei 1/2000 Sek Belichtung sollte der Vogel scharf sein.

    Das wird oft unterschätzt.

    Bei einer Fokusdistanz von 10-15 m reichen schon ein paar mm die sich der dünne Zweig mit dem Vogel bewegt.


    Beim Auslösen - wird das Tamron nach unten bewegt?

    Daher meine Vermutung auf Bewegungsunschärfe.

    War das eine Serienbild-Aufnahme?

    Könnte dann auch die Speicherkarte beim speichern die Fehler verursachen?

  • Nein, eine Einzelaufnahme. 10-15 Meter kommt hin, vielleicht sogar noch etwas mehr. Aber wie schon geschrieben, das ist kein Einzelfall, kam schon häufiger vor. Und wie geschrieben, Beim Verwackeln bzw. bei Bewegungsunschärfe würde ich einen Strich und nicht zwei Punkte erwarten.

  • Obwohl ich Fuji nicht benutze aber die Entwicklung dort verfolge, könnte es evtl. bei der Verschlusszeit im Zusammenhang mit den Stabilisatoren des Tamron und der Fuji zu einer Fehlinterpretation der Software in der Kamera kommen ? Durch die Arbeit der beiden Stabis bekommt sie eine Bewegung vorgetäuscht wo keine ist und arbeitet dagegen an. Mein erster Versuch wäre, nimm mal jeweils nur einen Stabi und fotografiere eine ähnliche Situation.

    Ich glaube irgendwo gelesen zu haben (Shutter Shock) , dass Verschlusszeiten um die 1/2000 genau das Problem auslösen (nagel mich nicht fest darauf).

    Weiterhin würde ich mal neben dem elektronischen einmal den mechanischen Verschluss nutzen.

    Viel Erfolg ...

  • Obwohl ich Fuji nicht benutze aber die Entwicklung dort verfolge, könnte es evtl. bei der Verschlusszeit im Zusammenhang mit den Stabilisatoren des Tamron und der Fuji zu einer Fehlinterpretation der Software in der Kamera kommen ? Durch die Arbeit der beiden Stabis bekommt sie eine Bewegung vorgetäuscht wo keine ist und arbeitet dagegen an. Mein erster Versuch wäre, nimm mal jeweils nur einen Stabi und fotografiere eine ähnliche Situation.

    Ich glaube irgendwo gelesen zu haben (Shutter Shock) , dass Verschlusszeiten um die 1/2000 genau das Problem auslösen (nagel mich nicht fest darauf).


    Weiterhin würde ich mal neben dem elektronischen einmal den mechanischen Verschluss nutzen.


    Viel Erfolg ...

    Vielen Dank für die Tipps. Echt klasse Hinweise. Ich habe heute nur leider keine Zeit zum Testen gehabt.

    Allerdings lassen sich Stabi von Kamera und Objektiv nicht vollständig voneinander trennen, da die Kamera (X-T5) um den Stabi im Objektiv (auch vom Tamron) weiß. D.h. ich habe nur die Möglichkeit durch den Schalter am Objektiv sämtliche Stabilisierung abzuschalten. Ansonsten gibt es drei Stabilisierungsmodi am Objektiv, mit denen ich schon getestet habe und an der Kamera die Möglichkeit zwischen dauerhafter und nur-Aufnahme-Stabilisierung (wird aktiv, wenn im Fokusmodus C der Auslöser halb durchgedrückt wird) zu wählen.

    Ich meine, mich etwas Ähnliches zum Thema Belichtungszeit ganz unabhängig von Fuji gehört zu haben, nämlich dass bei extrem kurzen Belichtungszeiten, ein Stabi so seine Probleme bekommen kann. Ich hatte beim Fuji 70-300 bei der Aufnahme beweglicher Objekte auch schon mal den Verdacht, dass die Stabilisierung bei kurzen Belichtungszeiten nicht optimal ist.

    Noch eine Möglichkeit: Fuji erkennt bei einigen Eigenmarke-Objektiven, dass Kamera/Objektiv auf einem Stativ stehen, was das Ausschalten des IBIS bei Stativaufnahmen überflüssig machen soll (ich schalte ihn trotzdem ab). Aber wer weiß, welche Nebeneffekte diese Funktion hat. Muss nur mal schauen, ob es dafür einen passenden Schalter gibt.

    Thema Shutter Shock. Ich habe fast ausschließlich mit dem elektronischen Verschluß gearbeitet. Meines Wissens tritt der Shutter Shock bevorzugt (wenn nicht ausschließlich) mit dem mechanischen Verschluß auf. Aber nichts desto trotz ist der Test mit dem Verschluß ein sehr guter Hinweis. Das wird ein Spaß, weil Fuji sechs verschiedene Auslösevarianten kennt (abh. von der Verschlußzeit).

    Und zu guter Letzt kann man bei Fuji ja auch noch den AF-C je nach Art bzw. Bewegung des Motivs konfigurieren.

    Ich denke, da ist eine schriftliche Test-Vorbereitung sinnig .... Hoffentlich bin ich damit fertig, bevor die X-T6 rauskommt.

  • Das Bild ist unscharf.

    Fragt sich wieso. Bei 1/2000 und einem ruhenden Objekt sollte es eigentlich scharf sein.

    Autofokus, Stabi, ??

    Also bleibt nur eine Versuchsreihe, wie bereits oben angedacht.

    Ich würde zuerst mal ein Foto von einem ruhenden Gegenstand ohne Stabi mit Stativ machen, um einen Mangel des Ojektivs auszuschließen. Die Sorge hattest du ja schon in einem anderen Thread geäußert.

    Wenn das Foto ok ist, kommen andere Möglichkeiten in Betracht.

    D.h. Versuchsreihe.

    Gruß

    Karl-Heinz

    • Official Post

    Ist das nicht die Nickhaut des Vogels die diesen doppelten Effekt auslöst?

    Das Bild ist leider viel zu unscharf, um das hier zu sehen.

    Ich hätte auf die Reflektion der Sonne oder eine andere Lichtspiegelung im Auge getippt. die Nickhaut sieht eigentlich anders aus, beschäftige mich gerade ein bisschen damit. Bei Vögeln sitzt sie im oberen inneren Augenwinkel. Sie überzieht in regelmäßigen Abständen das gesamte Vogelauge und wird dabei nach schräg unten in den äußeren Augenwinkel geführt.

    Ich denke nicht das du einen Tatterich hast wenn du draußen unterwegs bist :kissing_face: . Das hat einfach etwas mit der Entfernung des zu fokussierenden Motives im Zusammenspiel mit der Stabilisierung zu tun. 3 Meter auf ein so großes Motiv wie die Tasse ist nicht vergleichbar mit einem kleinen Vogel in 20 Metern und mehr Entfernung der sich dann auch noch bewegt. Ich gehe davon aus das die Tasse stillgehalten hat :grinning_face_with_smiling_eyes:

    1/25 was erwartest du, weit weg von 1/2000 :upside_down_face:

    Bezog sich glaube darauf, dass Lutz zeigen wollte, dass er mit der Kombination auch bei längeren Belichtungszeiten eine ruhige Hand hat um scharfe Fotos zu machen, dann sollte es ja bei kürzeren Belichtungszeiten erst recht klappen. Im Bezug auf das Phänomen mit der Belichtungszeit, was du angesprochen hast, hast du natürlich recht, da hinkt der Vergleich dann etwas.

  • Ich hätte auf die Reflektion der Sonne oder eine andere Lichtspiegelung im Auge getippt. die Nickhaut sieht eigentlich anders aus, beschäftige mich gerade ein bisschen damit. Bei Vögeln sitzt sie im oberen inneren Augenwinkel. Sie überzieht in regelmäßigen Abständen das gesamte Vogelauge und wird dabei nach schräg unten in den äußeren Augenwinkel geführt.

    Ich meinte damit, das es sein könnte, das die Nickhaut etwa halb geschlossen ist und es daher zu einer doppelten Sonnenreflexion kommt.

    1. Reflexion durch die Nickhaut oben

    2. Reflexion unterhalb beim Auge ohne Nickhaut.

    Wenn wir eine Situation

    nicht ändern können,

    müssen wir

    uns selbst ändern.

    Viktor Frankl

  • Ist das nicht die Nickhaut des Vogels die diesen doppelten Effekt auslöst?

    Guter Hinweis, im Internet gibt es vereinzelt Bilder, die eine doppelte Reflektion zeigen. Der Effekt ist allerdings auf zahlreichen meiner Vogel-Bilder zu erkennen, ich weiß nicht wie wahrscheinlich das Auftreten ist. Da ich aber auch bei anderen Motiven "Geisterbilder" habe, z.B. von gerade Kanten bzw. bei den Rändern des Mondes, würde ich darauf tippen, dass Deine Annahme nicht für alle Bilder gilt. Das Vogelauge zeigt dies nur am prägnantesten.

    3 Meter auf ein so großes Motiv wie die Tasse ist nicht vergleichbar mit einem kleinen Vogel in 20 Metern und mehr Entfernung der sich dann auch noch bewegt

    Die Entfernung spielt natürlich eine große Rolle. Allerdings hat sich der Vogel eigentlich kaum bis wenig bewegt, an dem Tag war es auch windstill, aber ausschließen kann man das nicht. Vielleicht komme ich nachher dazu, ein paar Testbilder mit den Anregungen von Jens-Uwe zu machen.

    Ich habe übrigens mittlerweile in einem englischsprachigen Forum einen Bericht gesehen, in dem ein Fotograf auch von Fokus-Problemen bei Aufnahmen mit mehr als 10 Meter Distanz mit der gleichen Kamera-Objektiv-Kombination schreibt.

    Und .. Tamron hat für das 150-500 (Version Fuji) schon im Januar zugegeben, dass es Probleme bei der Fokussierung ins Unendliche gibt Laut Seriennummerprüfung soll mein Objektiv aber nicht betroffen sein.

  • Keine Ahnung, was ich anders gemacht habe, aber an diesem Wochenende sind das Objektiv und ich Freunde geworden. Ich habe nur einen Parameter geändert. Bei Fuji kann man die Schärfe eines Bildes verändern, was sich aber eigentlich nur auf die JPEG-Entwicklung in der Kamera auswirken sollte. Da habe ich etwas "hochgedreht".

    Hier ein paar Beispiele. Die Bilder sind z.T. mit Lightroom gecroppt und mit Topaz Photo AI nachgearbeitet.


    20230325-DSCF6802-Bearbeitet.jpg

    20230325-DSCF6812-Bearbeitet.jpg


    20230325-DSCF6847-Bearbeitet.jpg


    20230325-DSCF6903-Bearbeitet.jpg


    Was noch fehlt sind ein paar Flugaufnahmen, da fehlte leider die Gelegenheit.

    Bekommt Tamron sein Objektiv nicht zurück zur Begutachtung und dafür die hiesige Feldmark wieder mehr Besuch von Leuten, die sich mit schwerem Gerät abschleppen.

    Euch danke ich sehr für die zahlreichen Antworten und Anregungen, dem Problem Herr zu werden.

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